Schauplätze

Anscheinend sind ja Schauplätze bei Krimis sehr wichtig. Deshalb gibt es so viele Regionalkrimis. Von Kroatien über die Provence bis nach Andalusien wird munter gemordet und ermittelt. Die deutschsprachigen Krimi-Leser*innen haben anscheinend besonders gern Kriminalromane, deren Handlung im Ausland spielt, am liebsten in exotischen Ländern und Städten. Aber auch in jedem deutschen und österreichischen Bundesland und in jedem Kanton der Schweiz finden imaginäre Verbrechen statt, die aufgeklärt werden sollen.

Mein Roman lebt von seinen Schauplätzen. Ohne Schauplätze würde es für mich keine Kommunikation in den Social Medias geben. Auf Instagram und Facebook poste ich mindestens zweimal wöchentlich Fotos von Marseille und der Küste, die den potenziellen Lesern Lust auf mein Buch machen sollen. Und das, obwohl in meinem Krimi nicht alles eitel Wonne ist und mehrere dramatische Szenen sich an unschönen Orten der großen Hafenstadt abspielen.

Marseille ist wie jede Großstadt auch nicht durchwegs malerisch und teilweise relativ schmutzig. Häufig streikt die Müllabfuhr und die Stadt verwandelt sich in eine stinkende Hölle. Die Bilder von den Müllbergen in den Straßen Marseilles erspare ich meinen Lesern und Followern jedoch. Auch die riesigen Wohnblöcke der Vorstädte fotografiere ich nur von weitem. Viel lieber entführe ich meine Follower*innen in die Küstenregionen und zeige ihnen die spektakulären Gebäude und schmucken Gässchen nicht weit vom Kommissariat meiner Ermittlerinnen.

Als ich Krimis zu schreiben begann, vor mehr als zehn Jahren, fanden meine Geschichten immer in Deutschland oder Österreich statt. Allerdings in erfundenen Orten, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sehr bald wurde mir bewusst, dass die meisten erfolgreichen Krimis an bekannten Orten spielen, die auch wirklich existieren. Häufig handelt es sich dabei um malerische und beliebte Tourismusorte.

Verschiedene Frankreich-Krimis wurden immer erfolgreicher und eines Tages kehrte ich meinen imaginären Orten den Rücken und begann Provence-Krimis mit Schauplatz Camargue und Luberon zu schreiben. Doch die Verlage waren davon überhaupt nicht überzeugt – zu viele Provence-Krimis mit Lavendelfeldern und Meer gibt es bereits. Deshalb wandte ich mich dem spektakulären und chaotischen Marseille im Lockdown zu, und siehe da, es klappte!

Nun sind meine Schauplätze der Alte Hafen von Marseille, die Gegend um das Kommissariat und die Kathedrale, die Straßen der Großstadt, ihre Vorstädte, aber auch ihre Stadtstrände. Es geht manchmal auch aus der Stadt hinaus nach Aix-en-Provence, das heute fast schon mit Marseille zusammengewachsen ist und mit der Großstadt die sogenannte Metropole bildet. Oder ins schmucke Hafenstädtchen Cassis, das in jedem meiner Marseille-Romane vorkommt, und an die Côte Bleue, die sich westlich der Großstadt erstreckt.

Besonders kriminell inspirierend sind der Hafen Callelongue und die Insel Maire, ein zerklüfteter Felsen, der südlich der Großstadt aus dem Meer ragt. Aber auch die lieblichen Calanques, die Felsbuchten zwischen Marseille und Cassis, regen meine Fantasie an. Dort stelle ich mir gern Leichen am Fuß schneeweißer Kalkfelsen im tiefblauen Wasser treibend vor.

Die Kulisse ist in meinen Krimis sehr wichtig, ich möchte die Leser*innen wirklich in die Provence entführen und ihnen so viel von meiner Wahlheimat mitgeben, wie nur möglich. Viele Krimileser*innen schätzen das, manche finden allerdings, dass mein Roman für einen Krimi zu viele Landschaftsbeschreibungen enthält. Auf jeden Fall ist das im Alltag ziemlich anstrengende und aufreibende Marseille ein sehr dankbarer Krimi-Tatort und eine inspirierende Stadt.

Schreibblockade?

Viele Autorinnen und Autoren leiden darunter: Die Schreibblockade macht ihnen arg zu schaffen. Sie sitzen vor der leuchtend weißen Seite des Computers und nichts geht mehr. Sie wissen nicht mehr, wie und wo sie anfangen sollen, was sie eigentlich wirklich schreiben möchten, wie die Geschichte ablaufen soll. Plötzliche Leere im Kopf oder zu viele Gedanken, die kreuz und quer durch den Kopf schießen, verursachen diese so bekannte Blockade. Oft ist es auch ein Stressfaktor, der auftritt, weil die Autorin / der Autor funktionieren, schaffen, in einer gegebenen Zeit produzieren muss.

Ich habe in den letzten zwei Jahren, in denen ich wieder intensiv zu schreiben begonnen habe, nie mehr unter diesem Phänomen gelitten, allerdings macht mit ein anderes Problem zu schaffen: Oft komme ich gar nicht bis vor die weiße Seite. Wenn ich viel anderes im Kopf habe, dann bringe ich es nicht zustande, mich vor den Computer zu setzen. Ich weiß zwar genau, was ich schreiben möchte, aber ich komme nicht genug zur Ruhe, um es zu tun. Habe ich dann endlich die Word-Seite geöffnet, ist alles in Ordnung, ich beginne zu schreiben und komme gut voran.

Die leuchtend weiße Seite –
der Feind vieler Schriftsteller*innen

Ich schreibe die erste Version meiner jeweiligen Texte sehr schnell herunter – vielleicht auch aus Angst vor der leeren Seite. Bei mir muss da zuerst einmal eine Rohfassung existieren, damit ich gut arbeiten kann. Diese Rohfassung wird dann immer wieder überarbeitet, manchmal auch eine Weile liegen gelassen, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Vielleicht habe ich deshalb keine Schreibblockade, weil ich einfach alles aus mir heraussprudeln lasse und es erst dann umformuliere, kürze oder ergänze?

Leider brauche ich zum Schreiben aber meine Ruhe. Die Bedingungen müssen ideal sein, damit ich mich konzentrieren kann. Auch wenn daheim zu viel los ist, kann ich mich nicht sammeln und finde den Weg zu meiner leeren Word-Seite nicht. Oft sperre ich mich ein oder aus (auf die Terrasse), setze meine Kopfhörer auf, schalte meine Lieblingsmusik – entweder klassische Musik oder Hits aus den 80ern und 90ern – ein und schaffe mir so die besten Bedingungen zum Schreiben. Und wehe, wenn mich dann jemand stört!

So wirke ich der Schreibblockade entgegen. Die im Moment noch nicht zu meinen Schwierigkeiten gehört. Mein Problem ist eher berufs- und familienbedingter Zeitmangel und die Tatsache, dass ich in stressigen oder belasteten Zeiten nur schwer zur Ruhe komme. Allerdings hilft mir das Schreiben, eine gewisse innere Ruhe und ein inneres Gleichgewicht zu finden. Deshalb muss ich mir konsequent die Zeit zum Schreiben nehmen. Weil es für nicht nur ein Hobby, sondern vielmehr eine Art Therapie und Meditation ist.

Autorin – es geht nicht nur ums Schreiben!

Viele denken, dass Schriftsteller(in) ein Traumjob ist. Und das stimmt auch, weil eigentlich alle, die schreiben, es aus Leidenschaft tun. Allerdings ist es für die meisten nur ein Nebenjob, der ihnen sehr wenig Einkommen beschert. Nur einige wenige Autor(inn)en können von ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leben. Und wahrscheinlich schreiben diese wenigen auch nicht rund um die Uhr, sondern starten die verschiedensten Aktionen, um ihre Bücher zu vermarkten.

Mir wird langsam bewusst, dass das Schreiben nur ein Teil meiner Tätigkeit ist. Wenn ich mein Buch wirklich effizient vermarkten will, dann muss ich auch selbst Werbung dafür machen und beim Marketing Hand anlegen. Ich muss mein Buch und mich selbst als Autorin bekannt machen, überall, wo es nur geht. Das ist harte Arbeit, und vor allem habe ich als Neueinsteigerin damit noch keine Erfahrung.

Die Social Medias sind sehr hilfreich. Vor allem trete ich auf Instagram und Facebook mit anderen Schriftsteller(inne)n in Kontakt, die ihre Erfahrungen teilen. Ich sehe, wie sie arbeiten, wie sie Werbung für ihre Bücher machen und kann mich und mein Buch ohne Kostenaufwand präsentieren. Es freut mich auch, meine Bilder schön darzustellen und eine Geschichte zu jedem Bild zu erzählen. Und ich liebe es, die Beiträge von Kolleg(inn)en zu lesen und darauf zu reagieren, auszutauschen. Auf Lovelybooks kann ich mich direkt an Leser(innen) wenden, die mir auch Feedback geben und Rezensionen zu meinem Buch schreiben. Ich kann Rezensionen zu anderen Kriminalromanen lesen und mir ein Bild vom Buchmarkt machen.

Aber leider wird mir bewusst, dass das noch nicht reicht und dass es mehr braucht als eine nett gestaltete Webseite, einen hübschen Instagram-Feed, ein attraktives Facebook-Profil, ein Profil auf Lovelybooks und einen Blog. Tja, heutzutage muss ein(e) Schriftsteller(in) sogar als Verlagsautor(in) Spezialist(in) in Marketing, Vertrieb und Public Relations sein! Oder Geld in die Hand nehmen, um das eigene Buch effizient zu vermarkten.

Daher: Das Schreiben ist sicherlich eine sehr romantische und angenehme Tätigkeit. Aber auch das Buch ist ein Produkt, das heute dem Markt unterworfen ist und auf diesem Markt sehr häufig untergeht.

Viele Schriftsteller(innen) schreiben für sich, als Hobby, und freuen sich, wenn ihr Buch wider Erwarten gut verkauft wird. Aber jede Autorin und jeder Autor würde insgeheim gern von seiner schriftstellerischen Tätigkeit leben. Einige wenige haben das riesige Glück, ohne großen Aufwand viele Exemplare schnell zu verkaufen. Doch die meisten müssen auch dafür, wenn erst einmal das Buch aufliegt, weiterhin hart arbeiten.