Mein Krimi-Schauplatz les Calanques – ein gefährdetes Naturschutzgebiet

Südöstlich von Marseille befindet sich einer der schönsten und spektakulärsten Küstenstriche Frankreichs: Les Calanques, schneeweiße Felsbuchten mit klarem tiefblauem Wasser. Ein Wanderweg, der GR 98, führt durch den gesamten 20 Kilometer langen Nationalpark, der sich direkt an den Toren der Gr0ßstadt Marseille Richtung Cassis erstreckt.

Es handelt sich um ein beliebtes Erholungsgebiet für die Großstädter, auch die Einwohner des Hinterlandes kommen gern zum Wandern, Klettern, Baden und Tauchen dorthin. An Touristen mangelt es im Sommer keineswegs.

In meinem Roman, der zu Frühjahrsbeginn spielt, ist der Nationalpark noch relativ ruhig, meine Roman-Heldinnen und -Helden wandern in die Calanque En Vau, die spektakulärste Felsbucht, um dort kurz vor dem harten Lockdown noch ein letztes Picknick zu genießen. Im harten Lockdown von März bis Mai 2020 waren die Calanques gesperrt. Doch sobald der Lockdown zu Ende war, brach die Hölle los. Im Corona-Sommer 2020, als die meisten Franzosen auf Auslandsreisen verzichteten, herrschte im Nationalpark mehr Betrieb als je zuvor. Und die Natur litt darunter. Abfälle wurden auf den Wanderwegen und in den Buchten zurückgelassen, Plastik schwamm im Meer und die Orte des Nationalparks, zu denen man im Auto fahren konnte, waren komplett vollgeparkt und vom Verkehr verstopft. Nicht zu schweigen von den vielen Motorbooten, die in die Buchten kamen. Dieses Jahr verspricht es noch schlimmer zu werden. An den Wochenenden ist das Gebiet von Autos verstopft und auch die kleinen Strände sind überfüllt. Der Nationalpark wird Opfer seines Erfolges und die Überfüllung bedroht die Natur. Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber was soll konkret getan werden?

In einer Woche finden Regionalwahlen statt und in Marseille ist der Nationalpark dabei ein wichtiges politisches Thema. Sollte man für den Park wie in Italien in den Cinque Terre und in den Nationalparks der USA und Kanada Eintritt verlangen? Das wird von mehreren Parteien abgelehnt, die nicht wollen, dass nur Menschen, die es sich leisten können, in die Calanques kommen. Die Natur muss für alle zugänglich bleiben! Wie aber die Verschmutzung und die Überfüllung vermeiden? Der Park stellt im Sommer Jugendliche an, die die Badegäste, die Passagiere von Motorbooten und die Wanderer informieren und sensibilisieren sollen. Nun wird auch erwogen, mehrere Orte, die noch im Auto zugänglich sind und wo an Wochenenden und im Sommer Stau herrscht, zu sperren und weiter entfernte Parkplätze zu schaffen sowie die Motorboote nicht mehr in die Buchten fahren zu lassen.

Ein weiteres Problem stellt im Sommer, wenn extreme Trockenheit herrscht, die akute Waldbrandgefahr dar. Der Zugang zum Gebiet ist an gewissen Tagen gesperrt, was jedoch viele Besucher nicht respektieren und trotzdem hineinwandern. So bringen sie die Natur und sich selbst in Gefahr.

Der Sommer ist für die Bewohner der Calanques keine einfache Zeit und alle atmen auf, wenn das Wetter wieder kühler wird, die Badegäste ausbleiben und kaum mehr Motorboote zu sehen sind.

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