Klischees?

Im deutschen Sprachraum sind Romane, deren Handlung im Ausland und noch dazu an malerischen, exotischen oder spektakulären Orten stattfindet, sehr beliebt. Es gibt unzählige Autoren, die aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz stammen, deren Romane jedoch in Südfrankreich spielen. Manche haben Erfolg und werden sogar übersetzt. Was sagen die Franzosen dazu? Sie sind nicht immer glücklich darüber, wie ausländische Autoren die französische Gesellschaft sehen und darstellen. Eine Anhäufung von Klischees, urteilen viele von ihnen.

Peter Mayles 1989 erschienenes Buch A year in Provence, das seine eigenen Erlebnisse in der Provence erzählt, wo er ein Haus gekauft und renoviert hat, wurde weltberühmt und hat seitdem viele Besucher in den Luberon gelockt. Bei den Briten und den Amerikanern wurde die Provence in den Neunzigerjahren der Ort, wo man sich einen Zweitwohnsitz zulegte, und das hauptsächlich dank Peter Mayles Bestseller.

Trotzdem waren viele Einwohner Südfrankreichs über das Buch des Briten verärgert. Wie kann er sich nur anmaßen, über uns zu urteilen?, beschwerten sie sich. Ich als Österreicherin finde nichts Anstößiges daran, dass Mayle mit seinem trockenen britischen Humor von Handwerkern erzählt, die häufig zu spät oder gar nicht kommen und vom Papierkrieg in französischen Ämtern. Denn er stellt in seinem Buch dar, wie es nun einmal ist, macht sich auch über sich selbst als zwanghafter Nordländer lustig und lobt die Franzosen vor allem für ihr gutes Essen und ihre Gastfreundschaft.

Es besteht natürlich die Gefahr, dass der Autor / die Autorin, der / die nicht über die eigene Heimat erzählt, Dinge klischeehaft darstellt. Auch in Krimis kann das geschehen. Die korrupte Führungsetage der Marseiller Kriminalpolizei ist ein typisches Klischee, das man dem Süden anlastet. Und trotzdem kann es solche Situationen überall geben. Ich habe auf jeden Fall versucht, nicht in diese Falle zu treten und den deutschsprachigen Lesern keine Klischees zu liefern. Da ich schon seit Langem hier wohne, ist Südfrankreich zu meiner Heimat geworden. Ich lebe genauso wie die Südfranzosen und habe südliche Gewohnheiten übernommen (zum Beispiel das etwas zu schnelle Fahren oder das Hupen bei jeder sich ergebenden Gelegenheit).

Natürlich könnte auch die Tatsache, dass die Drogenhändler in meinem Roman Nordafrikaner und die Bösewichte einflussreiche Bürger sind, klischeehaft erscheinen. Allerdings ist mein Roman sehr modern und bricht mit vielen herkömmlichen Mustern. Die homosexuellen Polizisten, die sehr freizügigen Jugendlichen, die sich vor allem ihrer Telefone bedienen, die Frauen, die den Männern in der Polizeiarbeit durchaus das Wasser reichen können und ihnen teilweise sogar überlegen sind und das Kommissariat, in dem Polizisten aus ganz Frankreich tätig sind, stellen Beispiele für eine moderne Gesellschaft dar, die in Großstädten und teilweise sogar auf dem Land immer mehr der Wirklichkeit entspricht.

Aber ob in einem Buch wirklich Klischees vorkommen, darüber können letztendlich nur die Leser urteilen. Und auch sie werden je nach ihrer Herkunft und Kultur geteilter Meinung sein.

Das Tragen des „béret“, der Baskenmütze, ist ein beliebtes Klischee über die Franzosen

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