Wie entstehen meine Romanfiguren?

Häufig werde ich gefragt: Woher hast du deine Ideen? Woher kommen deine Romanfiguren? Sind sie dir ähnlich? Oder ähneln sie irgendwelchen Personen aus deinem Umfeld? Sehr viele Autorinnen und Autoren nehmen wirkliche Menschen aus ihrem Umfeld als Modelle für ihre Romanhelden, viele bringen auch sich selbst ein. Irgendeine Figur enthält meistens autobiografische Elemente. Als ich zu schreiben begann, war meistens die Hauptperson mir selbst sehr ähnlich. Mittlerweile sind alle meine Figuren und Sachverhalte komplett erfunden. Ich habe kein Bedürfnis mehr, autobiografische Elemente in meine Geschichten einfließen zu lassen und möchte auch nicht irgendwelche Personen aus meinem Umfeld in meinen Krimis skizzieren.

Meine Hauptfiguren Nadia und Fiona ähneln mir in keiner Weise. Es handelt sich um sportliche und unerschrockene Frauen, die sich in einer Männerwelt behaupten müssen und kein besonders ruhiges Leben führen. Ich gehe einem typischen Frauenberuf nach, bin nicht sonderlich sportlich und würde große Angst haben, einen Beruf ausüben zu müssen, bei dem ich mit Gewalt und Tod in Berührung komme. Daher sind Fiona und Nadia überhaupt nicht nach mir geraten. Ich habe auch keine Freundinnen, die so sind wie die beiden Polizistinnen. Allerdings gibt es in jedem Buch irgendeine Person, mit der ich mich aufgrund von irgendwelchen Tätigkeiten, Begebenheiten oder Verhaltensweisen identifizieren kann. In meinem Roman „Lockdown in Marseille“ wäre das am ehesten der Englischlehrer, der sieht, dass in seiner Klasse ein Drama geschehen ist und sich dazu entscheidet zu handeln, anstatt wie seine Kollegen wegzuschauen und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Auf jeden Fall rede ich mir ein, dass ich mich wahrscheinlich wie er verhalten würde.

Wenn ich zu schreiben beginne, sind die wichtigsten Romanfiguren im Detail skizziert. Die Opfer, die Täter und die Hauptpersonen stehen von Anfang an klar fest. Meistens kommen dann noch Personen hinzu, die mir im Laufe des Schreibens einfallen, um die Ermittlung bunter und unruhiger zu gestalten. Ich habe sehr viel Fantasie und immer neue Ideen, was sich nicht immer vorteilhaft auf den Krimi auswirkt: Die meisten Romane werden zu lang, was mein armer Agent seufzend zur Kenntnis nimmt. Vor allem habe ich Probleme damit, mich von meinen Romanfiguren zu verabschieden, wenn der Fall geklärt ist. Sehr gerne lasse ich sie dann noch die Sache aufarbeiten und künde an, wie es weiter geht. Allerdings ist das nicht das Ziel eines Krimis: Der Krimi endet, wenn der Fall gelöst ist.

Ich bin meinen Romanheldinnen und auch-helden sehr nahe. Wenn ich durch Marseille fahre oder spaziere, überlege ich mir, was sie gerade machen, wo sie gerade umgehen, wie sie angezogen sind. Sie leben in einer parallelen Welt, die manchmal mit meiner in Berührung kommt. Sie sind meine Freundinnen und Freunde, aber sie ähneln weder mir noch irgendwelchen Personen aus meinem Umfeld.

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