Wer inspiriert mich, was lese ich?

Als Autorin bin ich natürlich auch eine leidenschaftliche Leserin. Was schreiben andere, wie schreiben sie es und wie sind ihre Geschichten aufgebaut? Ich habe drei Lieblingsgenres: Krimis, Psychothriller und historische Romane. Aber ich bin auch hin und wieder Liebesgeschichten, Sozialdramen, Gesellschaftsromanen, Klassikern und sogenannter anspruchsvoller Literatur nicht abgeneigt. Je mehr ich lese, desto besser ist das für mein Handwerk.

Ein Teil meines Lesesommers

Meine Freunde und Familienmitglieder wissen das und schenken mir gern Bücher. Allerdings bin ich sehr pingelig: Ich bin dreisprachig und möchte französische, englische und deutsche Bücher unbedingt in ihrer Originalsprache lesen. Die übersetzte Version kommt für mich nicht in Frage. Krimis in anderen Sprachen lese ich am liebsten auf Deutsch.

Natürlich kaufe ich mir viele Krimis oder Thriller. Denn sie inspirieren mich, aus ihnen lerne ich für meine eigenen Romane. Dabei habe ich eine sehr ausgeprägte Vorliebe für die nordischen Thriller und Krimis. Ich mag diese düstere Stimmung, die in den skandinavischen Romanen vorherrscht. Henning Mankells Krimis habe ich schon vor fünfzehn Jahren alle verschlungen, auch Arnaldur Indridason, Jo Nesbo, Camilla Lackberg und Viveca Sten lese ich sehr gern. Die Millenium-Triolgie hat mir ebenfalls gefallen, allerdings war ich davon längst nicht so begeistert wie von anderen nordischen Krimis.

Vor kurzem habe ich die schwedische Autorin Camille Grebe entdeckt, deren Bücher ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Kaum hatte ich eines fertig gelesen, lud ich mir auch schon das nächste aus derselben Reihe herunter. Das ist der Vorteil der E-Books, das Buch ist sofort zu einem geringen Preis erhältlich.

Es gibt unzählige andere Autoren, die ich sehr bewundere und gern lese. Hier habe ich vor allem über diejenigen berichtet, die mich am meisten inspirieren oder inspiriert haben. Am liebsten sind mir eine düstere Atmosphäre, wechselnde Perspektiven, vielschichtige Romanfiguren und eine geheimnisvolle und verwickelte Handlung, die trotzdem nicht zu kompliziert zu verfolgen ist.

Ich lese jeden Tag vor dem Einschlafen einige Seiten und wenn ich wirklich Zeit habe, stundenweise tagsüber. Im Urlaub kommt es auch vor, dass ich ganze Nachmittage lang die Nase in ein Buch oder in mein IPad stecke. Ich habe immer schon viel gelesen. Und immer schon gefunden, dass ich nie genügend Zeit dafür habe.

Neues aus Marseille

Die letzten drei Tage war der Staatspräsident Macron auf Besuch in Marseille. Er kam aufgrund des „Congrès Mondial de la Nature“, eines internationalen Umweltkongresses, bei dem über Klimaschutz, Vermeidung von Plastikmüll, Schutz der Meere und viele andere Umweltanliegen beraten wird.

Aber er kam auch, um die Stadt Marseille zu unterstützen und ihr Hilfe im Kampf gegen die Kriminalität und den Verfall gewisser Stadtviertel zuzusagen.

Marseille ist schon seit Jahrzehnten das Sorgenkind aller französischen Präsidenten. Die Stadt leidet unter Armut, Kriminalität und Baufälligkeit. Unzählige Stadtviertel sind davon betroffen. Die meisten befinden sich nördlich des Zentrums. Die berüchtigten „Quartiers Nord“ sind ein Sargnagel für die lokalen, regionalen und nationalen Politiker, denn das Problem scheint unlösbar.

Riesige, zum Großteil sehr veraltete Gebäudekomplexe, nicht vorhandene Infrastrukturen, baufällige Schulen und eine große Bevölkerungsdichte charakterisieren diese Vorstädte, in denen eine hohe Kriminalitätsrate herrscht. Aber nicht nur die Vorstädte bereiten in Marseille Probleme. Vor drei Jahren stürzten zwei alte Wohngebäude im Stadtzentrum ein und mehrere Einwohner wurden unter den Trümmern begraben. In der Tat ist in Marseille der veraltete Wohnbau in vielen Stadtvierteln ein großes Problem.

ein Teil der nördlichen Stadtviertel
vom Meer gesehen

Der Staatspräsident sagt der Stadt Marseille wichtige finanzielle Mittel zu, um die Vorstädte zu sanieren, die größten Gebäude abzureißen und die baufälligsten Altbauten zu renovieren. Er erklärt den Drogenringen den Krieg: Bedeutend mehr Polizisten, mehr Staatsanwälte und Richter sollen eingestellt werden, zudem sollen Kameras den Banditen ihr Handwerk erschweren. Nur durch die strafrechtliche Verfolgung kann die Stadt der Banden Herr werden, beteuert er. Ihm ist bewusst, dass diese Maßnahmen anfangs mehr Unruhen hervorrufen, aber letztendlich Erfolge im Kampf gegen die Kriminalität erzielen werden. Vor allem spricht Macron sich auch dafür aus, an die zwanzig Schulen, die in einem sehr schlechten Zustand sind, von Grund auf renovieren zu lassen, damit die Arbeitsbedingungen für Lehrer und Schüler dort erträglich werden. Zu tun gibt es genug und die finanziellen Mittel müssen nun effizient eingesetzt werden.

Marseille war immer schon ein politisch schwieriges Pflaster und die Stadtverwaltung braucht die Hilfe des Staates. Allerdings versichert der Staatspräsident den Stadtpolitikern, dass er Marseille nicht unter Kuratel stellen will, sondern vielmehr eine wirkungsvolle Zusammenarbeit mit ihnen schaffen möchte.

Das Hauptthema meines Romans

Das Hauptthema meines Kriminalromans ist trotz des Titels nicht Corona oder der Lockdown. Die Pandemie stellt eigentlich nur den Hintergrund der Handlung dar, ein zusätzliches lästiges Ereignis, das die Arbeit meiner Krimi-Heldinnen und -Helden erschwert. Das Hauptthema ist Mobbing. Es beginnt alles mit Mobbing, das sehr weit geht und schlimm endet: Eine Schülerin bringt sich deshalb um. Bei der Leserunde auf Lovelybooks wurde mir bewusst, dass es sich um ein sehr aktuelles Thema handelt. Ein Thema, über das heute in den Schulen viel gesprochen wird, das aber noch vor fünfzehn Jahren kaum angeschnitten wurde. Durch Beiträge von Leserinnen und Lesern erfuhr ich, dass auch sie oder ihre Kinder in der Vergangenheit gemobbt wurden und dass die meisten Lehrer(innen) dieser Tatsache damals gleichgültig gegenüberstanden. Früher gab es für dieses Phänomen noch nicht einmal einen Ausdruck.

Heute ist Mobbing ein wichtiges Thema, vor allem, weil jedes Jahr deshalb Selbstmorde geschehen. Heute ist außerdem auch das Cyber-Mobbing dazugekommen, das mittlerweile ein bedeutendes Problem darstellt. Viele Schüler(innen) werden in den Social Medias verspottet, bloßgestellt oder verbal sexuell belästigt. Streitigkeiten zwischen Schulkamerad(inn)en werden im Internet ausgetragen und arten so teilweise in regelrechte Schlammschlachten aus, an denen sich beteiligen kann, wer will. Auch das Fotografieren und Filmen von Mitschüler(inne)n in peinlichen Situationen ist gang und gäbe. Häufig wird versucht, mit Bildern und Filmen, die andere bloßstellen, „Likes“ in den Social Medias zu erhalten. All das macht den Schulalltag der Jugendlichen heute zu einem wahren Spießrutenlauf. Doch hier in Frankreich und sicher auch in den anderen europäischen Ländern werden die Schüler(innen) immer mehr darauf hingewiesen, dass Mobbing und vor allem nachweisbares Web-Mobbing eine kriminelle Handlung darstellt, die vom Gesetz bestraft wird.

Der große Unterschied zu früher besteht darin, dass die Schüler heute sensibilisiert werden. Den Opfern wird eingeschärft, dass sie sich Hilfe holen müssen. Die Täter werden gewarnt. Und trotzdem ist das Mobbing-Problem an Schulen schwer zu lösen. Und jedes Jahr gibt es Opfer wie Emeline, die von ihren Mitschüler(inne)n durch bösartige und teilweise sogar kriminelle Aktionen in den Selbstmord getrieben werden.

Autorin – es geht nicht nur ums Schreiben!

Viele denken, dass Schriftsteller(in) ein Traumjob ist. Und das stimmt auch, weil eigentlich alle, die schreiben, es aus Leidenschaft tun. Allerdings ist es für die meisten nur ein Nebenjob, der ihnen sehr wenig Einkommen beschert. Nur einige wenige Autor(inn)en können von ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leben. Und wahrscheinlich schreiben diese wenigen auch nicht rund um die Uhr, sondern starten die verschiedensten Aktionen, um ihre Bücher zu vermarkten.

Mir wird langsam bewusst, dass das Schreiben nur ein Teil meiner Tätigkeit ist. Wenn ich mein Buch wirklich effizient vermarkten will, dann muss ich auch selbst Werbung dafür machen und beim Marketing Hand anlegen. Ich muss mein Buch und mich selbst als Autorin bekannt machen, überall, wo es nur geht. Das ist harte Arbeit, und vor allem habe ich als Neueinsteigerin damit noch keine Erfahrung.

Die Social Medias sind sehr hilfreich. Vor allem trete ich auf Instagram und Facebook mit anderen Schriftsteller(inne)n in Kontakt, die ihre Erfahrungen teilen. Ich sehe, wie sie arbeiten, wie sie Werbung für ihre Bücher machen und kann mich und mein Buch ohne Kostenaufwand präsentieren. Es freut mich auch, meine Bilder schön darzustellen und eine Geschichte zu jedem Bild zu erzählen. Und ich liebe es, die Beiträge von Kolleg(inn)en zu lesen und darauf zu reagieren, auszutauschen. Auf Lovelybooks kann ich mich direkt an Leser(innen) wenden, die mir auch Feedback geben und Rezensionen zu meinem Buch schreiben. Ich kann Rezensionen zu anderen Kriminalromanen lesen und mir ein Bild vom Buchmarkt machen.

Aber leider wird mir bewusst, dass das noch nicht reicht und dass es mehr braucht als eine nett gestaltete Webseite, einen hübschen Instagram-Feed, ein attraktives Facebook-Profil, ein Profil auf Lovelybooks und einen Blog. Tja, heutzutage muss ein(e) Schriftsteller(in) sogar als Verlagsautor(in) Spezialist(in) in Marketing, Vertrieb und Public Relations sein! Oder Geld in die Hand nehmen, um das eigene Buch effizient zu vermarkten.

Daher: Das Schreiben ist sicherlich eine sehr romantische und angenehme Tätigkeit. Aber auch das Buch ist ein Produkt, das heute dem Markt unterworfen ist und auf diesem Markt sehr häufig untergeht.

Viele Schriftsteller(innen) schreiben für sich, als Hobby, und freuen sich, wenn ihr Buch wider Erwarten gut verkauft wird. Aber jede Autorin und jeder Autor würde insgeheim gern von seiner schriftstellerischen Tätigkeit leben. Einige wenige haben das riesige Glück, ohne großen Aufwand viele Exemplare schnell zu verkaufen. Doch die meisten müssen auch dafür, wenn erst einmal das Buch aufliegt, weiterhin hart arbeiten.

Marseille – eine gefährliche Stadt?

In meinem Roman spielt mein Krimischauplatz, die Stadt Marseille, eine sehr wichtige Rolle. Auch auf meiner Internetseite habe ich Marseille und Umgebung ausgiebig beschrieben. Aber wie ist Marseille wirklich? Viele Ausländer denken, wenn von Marseille die Rede ist, natürlich an das Meer und den großen Hafen, aber auch an Kriminalität, Korruption und Armut.

Auch innerhalb Frankreichs hat Marseille keinen guten Ruf: In den Augen der Einwohner von Paris ist Marseille eine sehr gefährliche Stadt. Jede Woche liest man in der Zeitung Berichte über Schießereien oder Hinrichtungen in Marseilles Vorstädten. Auch Korruptionsaffären gibt es einige. Allerdings wäre es unfair zu behaupten, dass Paris nicht genau dieselben Probleme hat wie Marseille. Paris hat genauso schwierige Vorstädte, korrupte Politiker und Beamte, und zahlreiche Kriminalfälle. Deshalb wundert es uns Einwohner aus dem Süden, dass Marseille in Nordfrankreich derart schlechtgemacht wird.

Marseille ist natürlich eine Millionenstadt und in solchen Großstädten herrscht in gewissen Stadtvierteln Armut. Noch dazu handelt es sich um einen der größten Häfen Europas und um das Tor zu den ehemaligen nordafrikanischen Kolonien. Marseille war einer der wichtigsten Schauplätze der French Connection, des in den 70er Jahren zerschlagenen internationalen Drogenschmugglernetzes. Und nicht zuletzt ist die Mafia von Marseille berühmt-berüchtigt. Dieses Gemisch hat zur Folge, dass die Hafenstadt auch innerhalb Frankreichs einen schlechten Ruf erlangt hat.

Aber ganz konkret gesehen riskiert der Tourist, der im Stadtzentrum herumspaziert und sich an den Stränden in und um die Großstadt aufhält, nicht mehr als in anderen Tourismusstädten. Taschendiebstähle und Einbrüche in Autos oder Reisebusse sind wie in vielen Großstädten gang und gäbe, aber sein Leben setzt in Marseille keiner aufs Spiel. Allerdings ist es nicht ratsam, sich in die Quartiers Nord, die Vorstädte, zu begeben. Aber auch in Paris, Lyon und in kleineren Städten Frankreichs gibt es solche Orte, die man als Besucher meiden sollte. Außerdem habe ich es in meinem Roman bereits angedeutet: Das Stadtzentrum Marseilles wurde in den letzten Jahrzehnten auf spektakuläre Weise renoviert, ganze Viertel wurden revitalisiert oder neu gebaut.

Natürlich hat Marseille wie jede Großstadt dunkle Seiten, die in meinem Krimi und in vielen anderen Romanen, Filmen und Serien gut zur Geltung kommen. Es ist zwar das meiste fiktiv, aber trotz allem nicht so weit hergeholt. Aber das ist kein Grund, die Stadt aus der Liste der Urlaubsdestinationen zu streichen: Marseille bietet dem Besucher sehr viel, besitzt eine ganz spezielle Atmosphäre und viele kulinarische Spezialitäten.

Hochsommer in Marseille

So manche(r) träumt davon, den Sommer in Marseille verbringen zu können. Das Meer, die Restaurants, die Küstenlandschaft, l’ambiance – die Atmosphäre… Ja, Marseille besitzt im Sommer einen erwiesenen Charme und das Meer ist allgegenwärtig.

Allerdings sind die Strände, die Bars, die Restaurants und die Straßen Richtung Calanques oder Côte Bleue auch dementsprechend überfüllt. Wir befinden uns trotz allem in einer Millionenstadt und vor allem in den Sommerferien pilgert an heißen Tagen alles ans Meer.

Die Bewohner der bescheidenen Stadtviertel wollen diese eine Freude, die sie gratis genießen können, nicht missen, während die Besitzer von Villen mit Pool bei extremer Hitze lieber in ihrem Gartenparadies bleiben. Am meisten zu beneiden sind im Hochsommer die Eigentümer von Yachten und Motorbooten, die sich frei auf dem Meer bewegen und auch die Küsten um Marseille und die Frioul-Inseln erkunden können.

Mein erster Roman findet mitten im Lockdown statt, einsame Strände und leere Straßen prägen das Geschehen. Der Kontrast dazu ist in meinem zweiten Krimi sehr stark.

Trotz Corona boomt in Marseille der Tourismus, die Strände sind überfüllt und einige meiner Krimi-Heldinnen und -Helden verbringen viel Zeit am Strand. Diesmal als Badegäste und nicht als Aufpasser! Auch von Partys, Abenden unter Freunden und Restaurantbesuchen ist die Rede.

Den Nationalpark der Calanques möchte ich in diesem zweiten Roman in den Mittelpunkt des Geschehens stellen. Aber auch die Vorstädte werden wieder einmal groß dabei sein. In Marseille ist das die Realität: Vorstädte und Küstenregionen sind eng miteinander verwoben.

Und meine Krimi-Heldinnen und -Helden werden diesmal nicht verschont. Die gute Nachricht: Die Leser(innen) können sich in diesem Krimi von Corona erholen. Im Roman genießen wir eine „Sommerpause“, die Pandemie ist zwar noch da und hängt wie eine dunkle, sich langsam nähernde Gewitterwolke am Himmel, aber im Sommer werden die Einwohner Marseilles, die Touristen und somit auch die Leser(innen) von Corona in Ruhe gelassen.

Klischees?

Im deutschen Sprachraum sind Romane, deren Handlung im Ausland und noch dazu an malerischen, exotischen oder spektakulären Orten stattfindet, sehr beliebt. Es gibt unzählige Autoren, die aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz stammen, deren Romane jedoch in Südfrankreich spielen. Manche haben Erfolg und werden sogar übersetzt. Was sagen die Franzosen dazu? Sie sind nicht immer glücklich darüber, wie ausländische Autoren die französische Gesellschaft sehen und darstellen. Eine Anhäufung von Klischees, urteilen viele von ihnen.

Peter Mayles 1989 erschienenes Buch A year in Provence, das seine eigenen Erlebnisse in der Provence erzählt, wo er ein Haus gekauft und renoviert hat, wurde weltberühmt und hat seitdem viele Besucher in den Luberon gelockt. Bei den Briten und den Amerikanern wurde die Provence in den Neunzigerjahren der Ort, wo man sich einen Zweitwohnsitz zulegte, und das hauptsächlich dank Peter Mayles Bestseller.

Trotzdem waren viele Einwohner Südfrankreichs über das Buch des Briten verärgert. Wie kann er sich nur anmaßen, über uns zu urteilen?, beschwerten sie sich. Ich als Österreicherin finde nichts Anstößiges daran, dass Mayle mit seinem trockenen britischen Humor von Handwerkern erzählt, die häufig zu spät oder gar nicht kommen und vom Papierkrieg in französischen Ämtern. Denn er stellt in seinem Buch dar, wie es nun einmal ist, macht sich auch über sich selbst als zwanghafter Nordländer lustig und lobt die Franzosen vor allem für ihr gutes Essen und ihre Gastfreundschaft.

Es besteht natürlich die Gefahr, dass der Autor / die Autorin, der / die nicht über die eigene Heimat erzählt, Dinge klischeehaft darstellt. Auch in Krimis kann das geschehen. Die korrupte Führungsetage der Marseiller Kriminalpolizei ist ein typisches Klischee, das man dem Süden anlastet. Und trotzdem kann es solche Situationen überall geben. Ich habe auf jeden Fall versucht, nicht in diese Falle zu treten und den deutschsprachigen Lesern keine Klischees zu liefern. Da ich schon seit Langem hier wohne, ist Südfrankreich zu meiner Heimat geworden. Ich lebe genauso wie die Südfranzosen und habe südliche Gewohnheiten übernommen (zum Beispiel das etwas zu schnelle Fahren oder das Hupen bei jeder sich ergebenden Gelegenheit).

Natürlich könnte auch die Tatsache, dass die Drogenhändler in meinem Roman Nordafrikaner und die Bösewichte einflussreiche Bürger sind, klischeehaft erscheinen. Allerdings ist mein Roman sehr modern und bricht mit vielen herkömmlichen Mustern. Die homosexuellen Polizisten, die sehr freizügigen Jugendlichen, die sich vor allem ihrer Telefone bedienen, die Frauen, die den Männern in der Polizeiarbeit durchaus das Wasser reichen können und ihnen teilweise sogar überlegen sind und das Kommissariat, in dem Polizisten aus ganz Frankreich tätig sind, stellen Beispiele für eine moderne Gesellschaft dar, die in Großstädten und teilweise sogar auf dem Land immer mehr der Wirklichkeit entspricht.

Aber ob in einem Buch wirklich Klischees vorkommen, darüber können letztendlich nur die Leser urteilen. Und auch sie werden je nach ihrer Herkunft und Kultur geteilter Meinung sein.

Das Tragen des „béret“, der Baskenmütze, ist ein beliebtes Klischee über die Franzosen

Mein Buch ist da!

Nun ist mein Buch gedruckt. Am Samstag kam mit der Post ganz unangekündigt ein Paket, darin waren zehn Exemplare meines Kriminalromans. Ab Mitte nächster Woche ist Lockdown in Marseille lieferbar.

Ein tolles Gefühl, den eigenen Roman durchzublättern! Das Cover ist sehr gelungen, das Papier und der Umschlag sind guter Qualität. Der Luzifer Verlag legt viel Wert auf eine schöne Produktgestaltung. Das englische Sprichwort sagt zwar never judge a book by its cover und in Frankreich präsentieren die renommiertesten Verlage ihre Romane ein- oder höchstens zweifarbig, ohne irgendwelche Bilder, aber heutzutage gehört ein schönes Cover trotz allem zum erfolgreichen Marketing.

Ja, es ist schon einmal ein erster, sehr wichtiger Schritt für eine Autorin / einen Autor, das eigene Buch in den Händen zu halten. Ein wichtiger Sieg ist errungen. Stunden, Tage, Wochen und Monate an Arbeit stecken dahinter und endlich habe ich nach Jahren des fruchtlosen und inkonsequenten Schreibens etwas Konkretes geschaffen.

Doch damit ist noch nicht alles getan: Nun geht es ans Vermarkten. Wird mein Buch gekauft werden? Wird es Erfolg haben? Wird es in der Masse der Bücher, die heute auf dem Markt sind, untergehen? Oder ist mein Roman der erste Schritt zu einer Krimireihe wie Martin Walkers Dordogne-Krimis oder Donna Leons Venedig-Krimis ? Hier habe ich zwei der bekanntesten Krimireihen genannt, ich gebe mich natürlich auch mit weniger zufrieden.

Mein Traum ist, vom Schreiben zu leben und jeden Tag stundenlang ungestört schreiben zu können, was nur wenigen Autoren beschert ist. Aber Träumen ist nicht verboten. Ich gebe ja deshalb trotzdem meine anderen Tätigkeiten nicht auf, übersetze fleißig weiter, führe unzählige Touristen durch die Provence und versuche, einigen wenigen germanophilen Franzosen Deutsch beizubringen.

Aber ich räume dem Schreiben in meinem Leben einen sehr wichtigen Platz ein und das Buch, das hoffentlich zu den Büchern in der Mehrzahl wird, beherrscht meine Gedanken.

Mein Krimi-Schauplatz les Calanques – ein gefährdetes Naturschutzgebiet

Südöstlich von Marseille befindet sich einer der schönsten und spektakulärsten Küstenstriche Frankreichs: Les Calanques, schneeweiße Felsbuchten mit klarem tiefblauem Wasser. Ein Wanderweg, der GR 98, führt durch den gesamten 20 Kilometer langen Nationalpark, der sich direkt an den Toren der Gr0ßstadt Marseille Richtung Cassis erstreckt.

Es handelt sich um ein beliebtes Erholungsgebiet für die Großstädter, auch die Einwohner des Hinterlandes kommen gern zum Wandern, Klettern, Baden und Tauchen dorthin. An Touristen mangelt es im Sommer keineswegs.

In meinem Roman, der zu Frühjahrsbeginn spielt, ist der Nationalpark noch relativ ruhig, meine Roman-Heldinnen und -Helden wandern in die Calanque En Vau, die spektakulärste Felsbucht, um dort kurz vor dem harten Lockdown noch ein letztes Picknick zu genießen. Im harten Lockdown von März bis Mai 2020 waren die Calanques gesperrt. Doch sobald der Lockdown zu Ende war, brach die Hölle los. Im Corona-Sommer 2020, als die meisten Franzosen auf Auslandsreisen verzichteten, herrschte im Nationalpark mehr Betrieb als je zuvor. Und die Natur litt darunter. Abfälle wurden auf den Wanderwegen und in den Buchten zurückgelassen, Plastik schwamm im Meer und die Orte des Nationalparks, zu denen man im Auto fahren konnte, waren komplett vollgeparkt und vom Verkehr verstopft. Nicht zu schweigen von den vielen Motorbooten, die in die Buchten kamen. Dieses Jahr verspricht es noch schlimmer zu werden. An den Wochenenden ist das Gebiet von Autos verstopft und auch die kleinen Strände sind überfüllt. Der Nationalpark wird Opfer seines Erfolges und die Überfüllung bedroht die Natur. Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber was soll konkret getan werden?

In einer Woche finden Regionalwahlen statt und in Marseille ist der Nationalpark dabei ein wichtiges politisches Thema. Sollte man für den Park wie in Italien in den Cinque Terre und in den Nationalparks der USA und Kanada Eintritt verlangen? Das wird von mehreren Parteien abgelehnt, die nicht wollen, dass nur Menschen, die es sich leisten können, in die Calanques kommen. Die Natur muss für alle zugänglich bleiben! Wie aber die Verschmutzung und die Überfüllung vermeiden? Der Park stellt im Sommer Jugendliche an, die die Badegäste, die Passagiere von Motorbooten und die Wanderer informieren und sensibilisieren sollen. Nun wird auch erwogen, mehrere Orte, die noch im Auto zugänglich sind und wo an Wochenenden und im Sommer Stau herrscht, zu sperren und weiter entfernte Parkplätze zu schaffen sowie die Motorboote nicht mehr in die Buchten fahren zu lassen.

Ein weiteres Problem stellt im Sommer, wenn extreme Trockenheit herrscht, die akute Waldbrandgefahr dar. Der Zugang zum Gebiet ist an gewissen Tagen gesperrt, was jedoch viele Besucher nicht respektieren und trotzdem hineinwandern. So bringen sie die Natur und sich selbst in Gefahr.

Der Sommer ist für die Bewohner der Calanques keine einfache Zeit und alle atmen auf, wenn das Wetter wieder kühler wird, die Badegäste ausbleiben und kaum mehr Motorboote zu sehen sind.

Sommerbeginn – rund um den Markt

Der Alte Hafen in Marseille lebt nun seit der Öffnung der Café- und Restaurantterrassen wieder auf. Jeden Morgen findet direkt am Hafen, am Quai des Belges, der Fischmarkt statt. Dort wird der frisch gefangene Fisch sofort verkauft. Dieser Fischmarkt ist natürlich seit der Öffnung der Außengastronomie besser besucht als im Lockdown und die derzeitigen warmen Temperaturen tragen ebenfalls dazu bei, dass es am Pier von Besuchern geradezu wimmelt.

Eines vom Wichtigsten sind im Süden die Wochenmärkte in den verschiedenen Stadtvierteln Marseilles und den Dörfern der Umgebung. Sie finden ganzjährig statt, sind aber in der kühlen Jahreszeit, wenn es regnet oder wenn der eisige Mistral um die Ecke fegt, viel weniger gut besucht als im Sommer.

Wenn es warm wird, drängen sich Menschenmassen um die Markstände und alle Caféterrassen sind voll von Kaffee- und Aperitif-trinkenden Zeitgenossen. Im Sommer gibt es auf den Märkten auch die meiste Auswahl an Obst und Gemüse. Provenzalische Märkte sind eine Pracht und der Markttag ist in jedem Dorf oder Stadtviertel der absolute Höhepunkt der Woche.

Überall in der Provence gibt es Sandplätze, auf denen Pétanque oder Boules gespielt wird – die französische Version des italienischen Bocciaspiels. Meistens handelt es sich bei den Spielern um Senioren, hauptsächlich Männer, aber auch einige Frauen und jüngere Leute sind diesem Spiel sehr zugewandt. Beim Pétanque-Spiel wird geblödelt und geschäkert, liebevoll gestritten und gefachsimpelt. Zuweilen wird auch über Politik gesprochen, wobei es manchmal zu etwas ernsteren Meinungsverschiedenheiten kommen kann. An Markttagen sind auch die Pétanque-Plätze sehr gut besucht. Marché-pétanque-apéro-repas, das ist der Marathon von provenzalischen Pensionisten oder jüngeren Leuten, die frei haben. Zuerst eine Runde auf den Markt, dann ein wenig Pétanque spielen oder beim Spiel zusehen, anschließend zum Aperitif auf die Caféterrasse und dann auf die Terrasse eines Restaurants. Wobei gesagt werden muss, dass die Frauen in der Regel lieber länger auf dem Markt bleiben und stattdessen auf das Kugelspiel verzichten.

Nach diesen anstrengenden Aktivitäten hat man sich wirklich eine Sieste, einen Mittagsschlaf, verdient! Vor allem wenn es heiß ist, gönnen sich diejenigen, die Zeit dafür haben, nach dem Mittagessen ein Nickerchen. Was natürlich nicht der Fall meiner Krimi-Helden ist. Für sie gibt es weder Markt, noch Kugelspiel oder Sieste. Manchmal allerdings, wenn sie im Kommissariat weniger Stress haben, genießen sie ihre Mittagspause auf einer Restaurantterrasse am Alten Hafen.